Ein wüstes Spektakel:
Ein sommerlicher Freitagabend. Der Urlaubsschein für die kommende Woche ist
eingereicht, auf dem Heimweg noch schnell die Kanister befüllen, daheim die
Reifen überprüfen, den Buggy auf den Anhänger laden und Proviant fürs Wochenende
mitnehmen. Alles ist bereit, die Ehefrau kriegt einen Abschiedskuss, der
Sohnemann kommt natürlich mit und nach einem letzten "Bis dann! Wir sehen uns am
Sonntag!" geht die lange Fahrt los. Nach ein paar hundert Kilometern auf dem
Freeway geht es ab in die Wüste und schnell findet man sich inmitten großer
Wohnwagenkolonnen mit schrottreifen Jeeps auf dem Anhänger. Man grüßt Bekannte
und Fahrer vom letztjährigen Event, zwischen den großen Lastern und Kolonnen
rasen ganze Motorradclubs und flotte Quads herum, aus der Ferne sieht man die
aus rostigem Schrott und Müll zusammengenagelten Tribünen und alle Fahrer haben
dasselbe Ziel: das dreckige, laute und herrlich amüsante 'Motorstorm'-Festival.
So oder ähnlich haben sich wohl die Entwickler der Evolution Studios ihr
virtuelles Spektakel vorgestellt, als sie selbst in die Wüste flogen, um mit
zahlreichen HD-Kameras die Location aus der Luft und vom Boden aus für diesen
brachialen Renntitel aufzunehmen. Dabei ist ein überzeugend echt wirkendes
Spektakel herausgekommen, das wie eine Mischung aus dem Burning-Man-Festival,
einer Offroad-Veranstaltung auf Island und dem Hillclimb Rachau daherkommt.
Motorstorm:
Das alles dreht sich natürlich rund um schnelle Offroad-Rennen in den
umliegenden Wüsten, Bergen, Schlammlöchern und anderen Umgebungen, deren Kurse
sich zwischen Wellblech-Tribünen, Blechhütten, Reifenstapeln, aus Müll
zusammengesetzten Barrikaden und anderen Bauten hindurchschlängeln. Das
Fahrerfeld setzt sich aus einem Haufen Wahnsinniger zusammen, die einfach nur
darauf aus sind, Erster zu werden, koste es, was es wolle. Dennoch kommt das
alles sehr spaßig rüber und man hat den Eindruck, es handele sich bei all diesen
Irren um Fahrer, die sich nach dem Zieleinlauf lachend gegenseitig auf den Helm
klopfen, sich den Matsch aus dem Gesicht waschen und trotz hohem Alkoholspiegel,
viel Aggression und einer Portion Wahnsinn abseits der Strecken nett miteinander
umgehen.
Nettigkeiten kann man im Laufe der Rennen dennoch nicht erwarten. So rauscht
die KI wie von einer Wespe gestochen am Start los - von nun an gilt das Recht
des Stärkeren. Wer etwa mit seinem Bike vor einem LKW landet, wird gnadenlos
überrollt. Wenn man nicht aufpasst, rammt die KI einen ohne Rücksicht in den
Canyon oder drückt den Spieler ordentlich gegen die zahlreichen Felswände und
Barrikaden. Nebenbei funktioniert das alles freilich auch andersherum und
schnell hat man ungefähr denselben Spaß und dieselbe Begeisterung, die 'Burnout
3: Takedown' mit seinen waghalsigen Crashs bot. Jedem in die Felswand gedrückten
Kontrahenten folgt zweifellos schadenfrohes Grinsen und Gelächter. Dennoch ist
das Ganze kein Zuckerschlecken und man muss sich auch als Rennspiel-Profi
richtig anstrengen, um bei allen Rennen die Goldmedaille abzustauben. Der
Schwierigkeitsgrad liegt sehr hoch und es erfordert oft zig Versuche, um
besonders ab Stufe drei auch bei jedem Event zu gewinnen.
Keine Dumpfbacken am Steuer:
An diesem Punkt muss ein großes Lob ausgesprochen werden, da die KI mit ihrem
Verhalten nicht nur ordentliche Ansprüche an den Spieler stellt, sondern auch
verdammt real wirkt. Permanent hat man es mit gegnerischen Fahrern zu tun, die
nicht nur mit einem selbst auf Tuchfühlung gehen. Hier und da passieren immer
wieder erschreckend spektakuläre Crashs, bei denen Buggys, Jeeps, Motorräder und
andere Vehikel durch die Luft wirbeln und sich physikalisch korrekt in ihre
Bestandteile auflösen. Da liegt auch prompt der Fahrer bewusstlos auf dem
Lenkrad oder fliegt vom Motorrad und prallt anschließend gegen irgendein
Blechschild.